Zone 3 – 21:47 Uhr. Die letzte richtige Kneipe der Stadt lag im Souterrain eines ehemaligen Brauhauses. Drei Stockwerke unter der neuen Oberfläche aus Glas und Stahl. Hier unten gab es noch Holzvertäfelung, echte Gläser statt Einwegbecher aus Pappe und einen Wirt, der sich weigerte, synthetischen Alkohol zu verkaufen.
Ein trotziger Akt in einer Welt, in der alles gefiltert wurde. Der Geruch von frisch gezapftem Bier hing in der Luft, einzigartig in der Stadt. Der Wirt war ein uriger Typ, der aus einem Wildwest-Roman entsprungen sein konnte. Breite Schultern, grauer Stoppelbart und ein Gesicht wie verwitterter Sandstein.
Der speckige Cowboyhut saß immer schief auf seinem Kopf. Er stand hinter der Theke und beobachtete seine Gäste. Besonders die von »ganz oben« hatte er immer gut im Blick.
Der Laden war meistens voll und trotzdem still. Man sprach leise, Stimmen gedämpft wie Geheimnisse, die nicht überleben durften.
Die Kameras waren zwar da, aber die Mikrofone funktionierten seit Jahren nicht mehr.
Eine defekte Leitung, die niemand reparierte oder niemand reparieren wollte.
Das letzte Schlupfloch in der Zwiebel der Stadt, wo der Druck der Schalen etwas nachließ.
An einem Ecktisch, halb versteckt hinter einem verstaubten Bierfass, saßen zwei Männer.
Der eine: Lior Vesk. Mitte dreißig, schmal, unauffällig gut aussehend, immer ein bisschen zu gepflegt für Zone 3. Dunkle Lederjacke, hoher Kragen, die Haare nach hinten gekämmt. Er trank echtes Schwarzbier, mit Schaumkrone gezapft. Es schmeckte nach Hopfen und Verbotenem. Dabei lächelte er, als wäre alles ein Spiel, bei dem er die Regeln bestimmte.
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